Newsletter Mediation aktuell, November 2018: In wirtschaftsrechtlichen Konflikten oder auch bei Streitparteien, die nur möchten, dass ihr Konfliktfall kostengünstig und schnell beigelegt wird, kann eine „Schlichtung plus“ die beste Lösung für die Beteiligten darstellen.  

„Die Lösung in einem anspruchsvollen Mediationsverfahren selbst entwickeln zu müssen“, schreibt Redakteur Jürgen Heim in der November-Ausgabe von Mediation aktuell, könne in bestimmten Fallkonstellationen, vor allem in wirtschaftsrechtlichen Konflikten, nicht unbedingt der zielführende Weg sein. Denn die Parteien suchten „mitunter gezielt nach außergerichtlichen Streitmittlern, die neben ihrer konsensualen Kompetenz auch ein spezielles fachliches Know-how für den jeweiligen Fallkontext anbieten“. Ihre Erwartungshaltung: „Die konsultierten Vermittler sollen ihre Expertise im Rahmen eines geführten (ADR-)Verfahrens mit einer abschließenden neutralen Bewertung zur Verfügung stellen.“
Unterbreite ein neutraler Schlichter nach intensiver Erörterung des Streitfalls selbst einen Schlichtungsvorschlag, so Jürgen Heim, „kann dies für die gewünschte, außergerichtliche Konfliktbeilegung hilfreicher sein, als die langwierige Lösungssuche in einem Mediationsverfahren.

Was ist unter einer „Schlichtung plus“ zu verstehen?

Dr. Andreas May und Senta May beschreiben in ihrem Beitrag in Mediation aktuell die „Schlichtung plus“ als eine Kombination aus Mediation und Schlichtung: „Die mediationsähnliche »Schlichtung plus« ist ein Verfahren, in das MediatorInnen ihre Mediationskompetenz sowie ihre fachliche Expertise wirkungsvoll einbringen können.“

Ihr Statement: „Schlichtung ist gut, MediatorInnen sind die besseren SchlichterInnen!“

In einem weiteren Beitrag, dem „Plädoyer für die Schlichtung“, spricht sich auch Prof. Dr. Reinhard Greger für mehr Offenheit in der ADR-Praxis aus und verweist folgerichtig auf den „Bericht der Bundesregierung über die Auswirkungen des Mediationsgesetzes auf die Entwicklung der Mediation in Deutschland“. Die Online-Befragung von Mediatorinnen und Mediatoren ergab, dass diese mehrheitlich „situationsbezogene Abweichungen“ in ihrer Praxis zulassen.
Solche Abweichungen oder Übergänge können durchaus sachgerecht sein (insbesondere schlichtenden Elementen weist der Bericht einigungsfördernde Bedeutung bei), erfordern aber klare Verfahrensabsprachen und Transparenz des Verfahrensablaufs, auch in begrifflicher Hinsicht“, schreibt Prof. Dr. Reinhard Greger.

Unter dem provokanten Titel „Wenn Mediationsausbildung Mediationen verhindert“ regt Dr. Karl Kreuser zu einer Reflexion darüber an, ob eine vorschnelle Festlegung auf das Mediationsverfahren zur Lösungsfalle werden kann.

Sein Fazit: „Alles, auch eine mediative Haltung, kann Ressource oder Hindernis sein. Es kommt darauf an, wie man alles einsetzt, wie absolut man es jeweils stellt.“

Was ist im Newsletter Mediation aktuell noch interessant?

Anhand eines Streitfalles aus dem Bausektor stellen Christof Wagner und Dr. Sabine Renken dar, wie eine Verschwiegenheitsklausel im Mediationsvertrag die Beteiligten schützen kann.
Darüber hinaus gibt es einen Rückblick auf die Internationale Mediationskonferenz 2018 „mediation moves …”, die im Oktober an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) stattfand. Internationale Experten beschäftigten sich mit den Fragen, auf welchen Wegen sich Mediation zurzeit bewegt und vor allem wohin sie sich international weiterentwickeln wird.

Interessiert? Mediation aktuell Newsletter-Archiv, demnächst mit aktueller November-Ausgabe!