Mediation ist eine besondere Art der Vermittlung und Einstellung zu Konflikten. Um diese Haltung geht es im druckfrischen Jahrbuch Mediation 2018, das den aktuellen Austausch zum Thema Mediation lebhaft, anregend und zugleich kritisch auf 232 Seiten begleitet. Die Neuerscheinung „Harte Zahlen, weicher Kern“ behandelt die enttäuschenden Umfrageergebnisse zur Verbreitung der Mediation, aber auch den Impuls, über diese „harten“ Daten das Gespräch über den „Kern“ der Mediation wieder aufleben zu lassen.  (Neuerscheinung Jahrbuch Mediation 2018, 232 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-7321-0314-0) 

Jahrbuch Mediation 2018 des Hagener Wissenschaftsverlags (HWV): Harte Zahlen – weicher Kern

Das Jahrbuch Mediation 2018 (JbM) protokolliert eine Debatte mit siebzehn Beiträgen, die sich aus vielen Gesprächen rund um die Herstellung des Jahrbuchs entwickelt hat. Als Leitwort des Jahres 2018, das freilich nur einen Teil der vielen Ansätze und Strömungen erfasst, hat sich das Gegensatzpaar „Harte Zahlen – weicher Kern“ herausgestellt.

„Harte Zahlen“ lieferte vor allem der Evaluationsbericht der Bundesregierung. Bereits im Vorjahr veröffentlicht, erfuhr nun jeder die desillusionierenden Fakten zur Verbreitung der Mediation in Deutschland.

Im Vorwort des Jahrbuchs 2018 ist dazu zu lesen: „Während manche Befürworter der Mediationsidee die harten Daten zunächst als Enttäuschung erlebten, sahen andere darin einen Ansporn, die alte Debatte über den Begriff – den Kern – der Mediation wieder aufleben zu lassen.“ Die Rede ist von einem „zwiespältigen Lernprozess“, den die Mediationsbewegung nun „nach einigen Anläufen“ allmählich erfasst.

Einen kritischen und sehr persönlichen Jahresrückblick wagen die diesjährigen Chronisten des Jahrbuchs, Marcus Hehn, Fachanwalt und Justiziar eines landwirtschaftlichen Verbandes, und Rechtsanwalt Holger Saubert, beide Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Mediation im Deutschen Anwaltverein. Aus ihrer Sicht verstärkt sich der „Eindruck, dass Mediatoren beziehungsweise Einzelne eher die Ausbildung als wirtschaftliche Quelle entdeckt haben und dabei die gesellschaftspolitische und soziale Dimension der Mediation in den Hintergrund“ gerückt sei. Die Chronisten schließen mit der Hoffnung, zukünftig „eines Besseren belehrt zu werden“.

„Hoffnungen und Illusionen“ auf dem Weg zu einem neuen Mediationsverständnis

Erste Antworten gibt der Beitrag „Back to the Roots – zu einem neuen Mediationsverständnis“, der „Hoffnungen und Illusionen“ diskutiert. Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie an der FernUniversität in Hagen, spannt den Bogen vom „Grünen Netz Mediation“ nach der Flüchtlingskrise bis hin zur Frage: „Haben wir etwas gelernt?“.

Als vorläufiges Fazit formuliert sie einige Statements, die hier verkürzt wiedergegeben werden:

  • Mediation ist eine Idee, die glüht – aber ohne Unterstützung schnell verglimmt.
  • Mediation berührt tiefsitzende Gefühle und Hoffnungen, sie nährt aber auch Illusionen.
  • Mediatoren sind oft nur Mediator im Geiste, praktisch sind sie nicht selten ohne Erfahrung.
  • Bildung und Ausbildung: Die Zuflucht des Mediators ohne Fälle – das Business der Ausbilder, Verlage, Funktionäre.
  • Konflikte sind kein Kuchen, der endgültig verteilt ist – sie „gehören“ keinem, sondern unterstehen allgemeiner Verantwortung.

Von den zahlreichen Beiträgen, die Lust auf das Lesen des Jahrbuchs machen, ist vor allem „Mediation in den Medien – Ein Streifzug durch die öffentliche Darstellung und Wahrnehmung“ von Mediator Marc-A. Nicolas Hermann (MM) hervorzuheben, der auch zwei interessante Rückblicke, einerseits zu den „Mediativen Elementen in den Isländersagas“ und andererseits zum „Ausgleichsgedanken im alten Ägypten“ für das Jahrbuch verfasste.

Besonders lesenswert sind auch die Erfahrungen aus dem Kapitel „Praxis und Lehre“ und die unkonventionellen Denkanstöße, die Dr. Lewis Johnston, FernUniversität Hagen und Mitglied der HWV-Verlagsleitung, in seinem Beitrag „Im Prinzip eine gute Idee – Ein Versuch, das starre Korsett der Mediationsprinzipien zu lockern“ beisteuert.

Einen persönlichen Einblick geben hierbei auch die Best-Practice-Beispiele, die sich speziell mit den fünf Phasen der Mediation auseinandersetzen. Erfahrene Mediatorinnen und Mediatoren wie Sabine Sauerborn, Anke Stein-Remmert, Birgit Hülsdünker, Monique Ridder und Dr. Peter Hammacher lassen die Leserinnen und Leser an ihrer alltäglichen Mediationspraxis teilhaben – was hat sich bewährt und was nicht?

Interesse geweckt? „Jahrbuch Mediation 2018“, Neuerscheinung 2018, erhältlich im Online-Shop des  Hagener Wissenschaftsverlags (HWV), 232 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-7321-0314-0 und auch bei Amazon zu bestellen!