Rechtsanwalt und Mediator Kenneth Feinberg hat maßgeblich zum Vergleich zwischen der Bayer AG (Leverkusen) und Klägern in den USA im „Glyphosat-Konflikt“ beigetragen. Ungewöhnlich ist, dass neben der Zahlung von mehr als zehn Milliarden Euro noch zusätzlich die Gründung einer Expertenkommission beschlossen wurde, um das Krebsrisiko des umstrittenen Unkrautmittels Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat klären zu lassen.
Der Vergleich gilt für 75 Prozent der rund 125.000 eingereichten und angekündigten Klagen. Die Bayer AG teilte mit, die restlichen 25 Prozent in weiteren Verhandlungen beizulegen.

Zusatzvereinbarung über Expertenkommission
Wie das Handelsblatt und die WirtschaftsWoche in ihren aktuellen Ausgaben berichten, soll das neue Expertengremium den Zusammenhang zwischen Glyphosat und Lymphdrüsenkrebs in den nächsten vier Jahren wissenschaftlich klären. Die Bewertung wird u.a. die Basis dafür liefern, ob zukünftige Klägerinnen und Kläger Anspruch auf Entschädigungen haben oder diese nicht gerechtfertigt sind.

Ein kurzer Rückblick in 2019
Im März 2019 verliert der Bayer-Konzern im ersten Musterverfahren unter Vorsitz von U.S. District-Richter Vince Chhabria gegen den krebskranken E. Hardeman, was generell richtungsweisend für weitere Verfahren war. Die Geschworenen-Jury sprach dem Kläger 80 Millionen Dollar zu – mit der Begründung, dass das Glyphosat-Mittel ein Faktor gewesen sei, der die Krebserkrankung des Klägers mit verursacht habe. Die Jury machte den Bayer-Konzern somit erstmals im März 2019 für die gesundheitlichen Risiken des umstrittenen Mittels haftbar.

District-Richter empfiehlt die Mediation
Richter Vince Chhabria hatte daraufhin im April 2019 den Bayer-Vertretern und den Anwälten der Kläger zu einer Mediation geraten. Die Parteien konnten sich damals noch nicht darauf einigen. Erst als Vince Chhabria, auf dessen Schreibtisch sich Tausende von Klagen vor allem von Landwirten ansammelten, den angesehenen Anwalt und Mediator Kenneth Feinberg ins Spiel brachte, änderten die Kontrahenten ihre Meinung und stimmten zu.
Feinberg leitete die Verhandlungen zur Entschädigung der Opfer des Terroranschlags vom 11. September 2001 und die Mediationen im Dieselskandal von Volkswagen in den USA. „U.S. judge appoints Ken Feinberg mediator for Bayer Roundup settlement talks“, titelt die renommierte Reuters-Agentur in den „Business News“ am 22. Mai 2019 und kündigt US-Staranwalt Kenneth Feinberg als Vermittler für den Glyphosat-Konflikt an. Der Mediator stieg im Juni 2019 in die vorbereitenden Gespräche ein, um die Chancen für einen Vergleich auszuloten.
Rund ein Jahr später wurde nun der Vergleich und die Zusatzvereinbarung zur Gründung des Expertengremiums erzielt und von Vorstand sowie Aufsichtsrat der Bayer AG einstimmig genehmigt. Die Einigung zeigte Wirkung, denn der Aktienkurs legte laut Handelsblatt in den USA rasch zu.

Quellen: Handelsblatt vom 24.06.2020 und WirtschaftsWoche. vom 24.06.2020 (aufgerufen am 28.06.2020); Mediationsversuch und Medienecho um Glyphosat, in Jahrbuch Mediation 2019/20 – Wo die Mediation lebt.