Wer ist Opfer, wer ist Täter? Mobbing ist hochkomplex in der Lösungsfindung, ob an Schulen oder in Unternehmen. Am Ende ist dem Opfer nicht damit geholfen, wenn der Täter bestraft wird. Ebenso wichtig ist es, die Zügel im Leben wieder in die Hand zu nehmen und aus der Opferhaltung herauszutreten. Moderator Christian Eichler und Mediator Dr. Sascha Weigel haben in der ersten Sendung des Jahres 2019 das Thema Mobbing in den Mittelpunkt des Konflikt- und Streitpodcasts „Auf die Zwölf!“ (detektor.fm) gestellt.
Interviewpartner sind Margit Ricarda Rolf, Mobbing-Zentrale Hamburg, Psychologe und Therapeut Josef Schwickerath sowie Marek Fink von „Zeichen gegen Mobbing“.

Mobbing-Zentrale klärt und unterstützt
Nach kurzer Zeit wisse sie schon, woran es ihren Kunden fehle, sagt Margit Ricarda Rolf von der Mobbing-Zentrale Hamburg. Sie hat einen Fragebogen entwickelt, der Opfern hilft, sich zu orientieren: Sind Sie krank? Schlafstörungen oder gar Herzflimmern? Müssen Sie den Arbeitsplatz wechseln? Stecken Sie vielleicht im falschen Beruf fest? „Viele Menschen haben gar nicht den Beruf, den sie eigentlich gerne ausüben würden. Das sind in meiner Beratung über 40 Prozent. Dann schauen wir uns an: Wie alt ist diese Person? Kann sie ihre Berufung noch leben?“, spricht Margit Ricarda Rolf über ihre Erfahrungen in der Mobbing-Zentrale.
Der Fragebogen hilft, das gesamte „System“ zu analysieren. Kann es sich das Opfer überhaupt leisten, den Arbeitsplatz zu wechseln? Oder ist es besser, sich für die innere Kündigung zu entscheiden, da die Rente in wenigen Jahren ohnehin bevorsteht? Wie lerne ich, mich abzugrenzen und mich vor belastenden Situationen zu schützen?
Diese Analyse ermutigt das Mobbing-Opfer, wieder die Zügel in die Hand zu nehmen, aus der Opferhaltung herauszutreten. Und wichtig: Die Mobbing-Zentrale Hamburg kann ein Unterstützernetz anbieten.

Eine Auszeit – Distanz als Schutzschild
Zweiter Interviewpartner ist Josef Schwickerath. Der Psychologe und Therapeut hat lange zum Konfliktfeld Mobbing geforscht und Ratgeber dazu veröffentlicht. Zu ihm kommen die Menschen, die als Mobbingopfer identifiziert sind und als krank gelten.
Für ihn habe höchste Priorität, dass die Opfer auf Distanz zur Mobbingsituation gehen können. Eine Auszeit vom krankmachenden Arbeitsplatz könne durch Urlaub, Krankschreibung oder durch eine stationäre Maßnahme erreicht werden.
Danach bleiben Fragen zu beantworten: Wie waren bestimmte Entwicklungen möglich und wer spielt darin welche Rolle? Was kann ich tun und wo sind Veränderungen tatsächlich möglich – aus sicherer Distanz wird manches klarer.
Die Forderung, dass sich die Täter oder Strukturen ändern sollen, ist nicht sehr hilfreich. Das geht in den seltensten Fällen. Die entscheidende Frage aus Sicht eines Betroffenen ist: Was kann ich für mich tun, um wieder rauszukommen?“, stellt Josef Schwickerath klar.

Zeichen gegen Mobbing – was können Schulen tun?
Mobbing findet in jeder Schule statt“, lautet das Statement von Marek Fink und stellt sich mit seinem Verein „Zeichen gegen Mobbing“ dagegen. An Schulen seien vor allem Beleidigungen und Ausgrenzungen üblich – ob auf dem Schulhof oder in Social-Media-Netzen.
Lehrkräfte und Eltern sind häufig verunsichert, wie sie angemessen auf Mobbingprobleme der Kinder reagieren sollen. „Zeichen gegen Mobbing“ bietet deswegen Workshops an, die Erwachsenen die Chance geben, sich auf schwierige Situationen vorzubereiten. Ein wichtiges Thema ist auch die Mobbingprävention.
„Zentral ist, wenn sich Kinder melden, weil es ihnen schlecht geht“, hier liegt für Marek Fink der Ansatz, den er speziell an die Klassenleiter richtet, aktiv die Mobbingsituation aufzuklären. Zuerst kochten Emotionen und Schuldzuweisungen hoch, aber danach sei eine Lösung möglich.

Hören Sie zum Thema Mobbing den Konflikt- und Streitpodcast „Auf die Zwölf!“ des digitalen Radiosenders „detektor.fm“. Eine Übersicht der Sendungen gibt es bei Inkovema.