Zum Thema „Konflikte während der Corona-Krise“ führte das Institut für Konfliktforschung und präventive Beratung (RIK) zwei Online-Umfragen unter Führungskräften durch, um die Herausforderungen in der Corona-Krisenintervention aufzuzeigen. In der ersten Umfrage ging es darum, ein Stimmungsbild während des Lockdowns einzufangen. Die zweite Umfrage hatte das Ziel, die Entwicklungen und Veränderungen in der Phase der Maßnahmenlockerungen aufzuzeigen.
Das Institut für Konfliktforschung und präventive Beratung (RIK) ist seit 2020 an die Rheinische Fachhochschule Köln angeschlossen.

Erste Online-Umfrage in Zeiten des Lockdowns

Die erste RIK-Umfrage „Konflikte während der Corona-Krise“ ging an rund 2.000 Führungskräfte, die über Social Media-Kontakte bei Facebook, Linkedin, Xing usw. angesprochen wurden. Sie ergab folgendes Bild:
Die Stimmung unter den Mitarbeitenden hat sich durch Corona weder verbessert noch verschlechtert (58 %). Vorhandene Sach- oder Beziehungskonflikte hätten sich durch die Corona-Krise nicht oder nur gering verstärkt. Das vor der Pandemie praktizierte Konfliktmanagement im Unternehmen wird während der Krise als hilfreich bis sehr hilfreich (über 70 %) eingestuft. Die meisten sehen deswegen keine Notwendigkeit, zusätzliche externe Unterstützung, wie Mediatorinnen und Mediatoren, anzufordern.
Die Führungskräfte wurden auch zur Homeoffice-Situation befragt, wobei die Herausforderungen ähnlich wie in vielen Haushalten ausfielen: Schwierigkeiten bei Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Arbeit (41 %), Ablenkung durch Kinder, Partner oder Eltern (40 %), ungeeignete Arbeitsplätze (Küchentisch) oder auch schlechte Internetverbindung (38 %).

Zweite Online-Umfrage nach Lockerungsmaßnahmen: Mehr Telkos und Konflikte

Nach den Lockerungen im Mai 2020 hat das RIK eine zweite Online-Umfrage angesetzt. Hier zeichneten sich folgende Beziehungen der Führungskraft zu den Mitarbeitenden ab:

  • gestiegene Solidarität (64 %)
  • höhere Erwartung an die Führungskraft (78 %)
  • höheres Kommunikationsbedürfnis der Mitarbeitenden (71 %)
  • gestiegener Stress der Führungskraft (77 %)
  • veränderte Kommunikation (Videokonferenzen, Telefonate, e-mails).

Die Umsetzung der Hygienemaßnahmen steht immer noch im Mittelpunkt der Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Andererseits geht es verstärkt um persönliche Themen, wie die Sorge um den Arbeitsplatz, Kurzarbeit oder familiäre Probleme. Je nach persönlicher Betroffenheit wird die Stimmung als „verschlechtert“ beurteilt.
„Die erhebliche Reduzierung von Außen- und Reiseterminen führt zu einem Zeitgewinn, der eine intensivere Kommunikation mit den Mitarbeitenden ermöglicht. Die Präsenzkommunikation und der informelle Austausch fehlt jedoch vielen“, erläutert Dr. Bettina Janssen, die das RIK-Projekt im Team mit Prof. Volker von Coubière und Prof. Dr. Remo Laschet initiierte.
In der Kommunikation zwischen Führungskräften untereinander stehen der laterale Austausch und die zeitnahe Abstimmung des gemeinsamen Vorgehens. Dazu gehören u. a. Themen wie die flexible Organisation oder die wirtschaftlichen Auswirkungen (Insolvenz, unsichere Zukunftsaussichten). „Es wird deutlich formuliert, dass Konflikte und ein härterer Ton im Führungskreis aufgrund der angespannten Situationen und einer nervösen Stimmung zunehmen“, erklärt Bettina Janssen. Unterschiedliche Standpunkte zur Corona-Krise und eine nicht ausreichende Kommunikation verursachten Reibungspunkte und Missverständnisse. Konkurrenzverhalten und „Kompetenzgerangel“ könnten mögliche Folgen sein.

Der Blick nach vorne: Viele Führungskräfte geben an, weiterhin dezentral zu führen (61 %), auch um sich sicher zu fühlen (80 %). 30 Prozent sind sich noch nicht im Klaren darüber, ob die durch die Corona-Krise bedingten Entwicklungen (Homeoffice, weniger Dienstreisen) nach der Krise bestehen bleiben sollten. 31 Prozent halten dies für eher unwahrscheinlich.
Die Auswertungen der Umfragen stellt das RIK auf Anfrage zur Verfügung!

Quelle: Institut für Konfliktforschung und präventive Beratung (RIK), Online-Umfrage „Konflikte während der Corona-Krise“